Ein Kind entscheidet, was gebaut wird, wählt die Farben aus und verteilt die Aufgaben. Das andere reicht Papier, hält Karton fest und klebt dort, wo es ihm gezeigt wird. Das Werk wächst, doch Raum für eigene Ideen hat vor allem die Person, die es ursprünglich geplant hat. Versucht das helfende Kind etwas zu verändern, heißt es schnell: „So soll das nicht sein.“
Beim gemeinsamen Gestalten können Sie Kindern helfen, auch die Möglichkeit zur Einflussnahme auf das Ergebnis zu teilen. An einem kleinen Bauwerk, einer Geschichte oder einer Collage lässt sich üben, wie man einen Vorschlag macht, dem anderen zuhört und den ursprünglichen Plan gemeinsam anpasst. Der folgende Ansatz richtet sich an Eltern, die zwei Kinder im Schulalter bei einem gemeinsamen Projekt begleiten.
Achten Sie darauf, wer über das Ergebnis entscheidet
Beginnen Sie mit der Beobachtung der konkreten Situation. Wer hat die Form des Werkstücks bestimmt? Was ist mit dem Vorschlag des anderen Kindes geschehen? Kann es etwas verändern, ohne dass ihm das Material weggenommen oder seine Arbeit umgestaltet wird? Die Anzahl der aufgeklebten Teile sagt wenig darüber aus, wie der kreative Raum verteilt ist.
Prüfen Sie zugleich, ob die Kinder mit ihren Aufgaben zufrieden sind. Ein Kind, das wenig spricht, malt vielleicht gerne nach einem gemeinsamen Plan aus. Fragen Sie: „Passt dieser Teil für dich, oder möchtest du auch etwas vorschlagen?“ Die Antwort kann zeigen, ob Sie überhaupt eingreifen müssen.
Wenn das zweite Kind eine Idee einbringen möchte, aber keine Gelegenheit dazu bekommt, benennen Sie die Situation ohne Etiketten: „Über die Häuser und Straßen hast bisher du entschieden. Jetzt hören wir uns an, was deine Schwester ergänzen möchte.“ Damit geht es um die heutige Verteilung der Entscheidungen. Aus einem einzigen Nachmittag muss nicht geschlossen werden, dass ein Kind von Natur aus führt und das andere sich nicht durchsetzen kann.
Geben Sie dem Projekt ein gemeinsames Ziel und jedem Kind eine eigene Wahl
Beispielsituation: Zwei Kinder möchten aus Karton eine kleine Stadt für ein Spielzeugauto bauen. Eines schlägt eine Rennstrecke vor, das andere Häuser mit Gärten. Ein Elternteil kann bei der Vereinbarung helfen: Es entsteht ein Ort, an dem man fahren und bei den Gebäuden anhalten kann. Die einzelnen Bereiche gestalten die Kinder anschließend selbst.
Ein gemeinsames Ziel sollte konkret genug sein, um Orientierung zu geben, und zugleich mehrere Möglichkeiten offenlassen. Bei der Stadt kann vereinbart werden, dass eine Straße beide Teile verbindet und das Auto beide Bereiche erreicht. Bei einer Geschichte kann das Ziel darin bestehen, dass zwei Figuren einander begegnen, die jeweils von einem anderen Kind erfunden wurden.
Klären Sie vor dem Beginn gemeinsam drei Punkte:
- Was sie gemeinsam gestalten: zum Beispiel eine Stadt mit verbundenen Straßen.
- Was jedes Kind selbst vorschlagen darf: ein eigenes Gebäude, seine Bewohner oder einen Teil der Geschichte.
- Worüber sie sich einigen müssen: über die Verbindung der Straßen, die Nutzung des gemeinsamen Untergrunds oder die Art, wie die Figuren einander begegnen.
So hat jedes Kind eine konkrete Entscheidung, die ihm gehört, und zugleich einen Bereich, in dem Zusammenarbeit nötig ist. Wenn eines nur alles nach der Vorstellung des anderen ausmalt, bieten Sie ihm ebenfalls eine Wahl an, die das gemeinsame Werk sichtbar verändern kann.
Lassen Sie vor dem Kleben zwei Entwürfe entstehen
Bevor die Kinder den gemeinsamen Untergrund schneiden oder kleben, geben Sie ihnen Papier für eine einfache Skizze. Sie können ihre Idee auch aus losen Teilen legen oder mithilfe von Spielzeug erklären. Wählen Sie eine Form, in der jedes Kind zeigen kann, was es vorhat.
Anschließend stellt jedes Kind eine Sache vor, die es im Ergebnis bewahren möchte. Das andere kann wiedergeben, was es verstanden hat, und nach unklaren Stellen fragen. Ist dieses Gespräch noch zu anspruchsvoll, helfen Sie mit einer konkreten Frage: „Wo kann man deiner Meinung nach in die Garage hineinfahren?“
Bei der Modellstadt legen die Kinder zunächst Rennstrecke und Häuser ohne Klebstoff aus. Sie prüfen, ob dazwischen noch eine Straße bleibt. So können sie den Plan verändern, bevor ein Teil dauerhaft befestigt ist. Über dieses probeweise Auslegen entscheiden beide.
Bewerten Sie bei den Skizzen nicht, wer schöner zeichnet. Achten Sie darauf, was das Kind mit seinem Entwurf ausdrücken möchte. Eine geübtere Zeichnung kann verständlicher sein, doch Sie können dem anderen Kind helfen, seine Vorstellung zu erläutern.
Wählen Sie die Art der Einigung passend zum Streitpunkt
Wenn die Kinder sich nicht einig sind, benennen Sie zunächst, worüber sie entscheiden. Bei manchen Fragen hilft ein Test, bei anderen eine Aufteilung des Raums oder eine Reihenfolge. Nicht bei jeder unterschiedlichen Meinung muss ein Entwurf zum Sieger erklärt werden.
| Streitpunkt | Was Sie ausprobieren können | Beispiel bei der Modellstadt |
|---|---|---|
| Ob eine Lösung funktioniert. | Eine einfache Prüfung beider Vorschläge vereinbaren. | Das Auto über beide Varianten der Kurve fahren und prüfen, wo es vorbeikommt, ohne die Häuser zu verschieben. |
| Farbe, Form oder ein Fantasiedetail. | Die Wahl auf eigene Bereiche verteilen oder nach einer Kombination suchen, der beide zustimmen. | Ein Gebäude wird gelb, das andere blau; den Platz gestalten sie gemeinsam. |
| Ein einzelnes gemeinsames Materialstück. | Beide Vorhaben zunächst zeigen und Möglichkeiten für eine Aufteilung oder einen Ersatz vergleichen. | Der große Karton bleibt die Grundlage, Dächer entstehen aus kleineren Stücken. |
Wenn beide Möglichkeiten das gemeinsame Ziel erfüllen und die Kinder weiterhin zögern, können sie vereinbaren, welche sie zuerst testen. Eine Testversion lässt sich später verändern. Achten Sie jedoch darauf, dass die Entscheidung „Jetzt machen wir es nach meiner Idee“ den Vorschlag des anderen nicht bei jeder Gestaltung aufschiebt.
Bei einer künstlerischen Idee muss es nicht die eine richtige Lösung geben. Ein lila Baum oder ein Haus auf Rädern kann Teil der Vereinbarung sein. Erwachsene müssen keine realistische Darstellung verlangen, wenn sie nicht zur Aufgabe gehört.
Helfen Sie bei einem Fehlschlag, eine gemeinsame Änderung zu finden
Kehren wir zur Modellstadt zurück. Das Auto kommt zwischen einem Haus und der Kurve nicht hindurch. Ein Kind möchte das Haus entfernen, das andere die gesamte Strecke. Bevor die Kinder das Werk auseinandernehmen, können Sie sagen: „Ihr möchtet beide euren Teil behalten. Schauen wir uns an, was genau dem Auto im Weg ist.“
Lassen Sie die Kinder die Stelle zeigen, an der die Fahrt endet. Danach macht jedes einen Vorschlag für eine Veränderung. Sie können das Haus verschieben, die Kurve verändern oder eine Abzweigung ergänzen. Die Kinder einigen sich auf eine Änderung und testen sie erneut. Finden sie keine Lösung, bieten Sie Ihren eigenen Vorschlag als weitere Möglichkeit zur Prüfung an.
Dieser Ablauf schafft Raum für Beobachten, Vorschlagen und Überprüfen. Ein erfolgloser Versuch muss dabei nicht allein dem Kind zugerechnet werden, das diesen Teil gebaut hat. Die Verbindung von Haus und Straße ist eine gemeinsame Aufgabe, zu deren Veränderung beide beitragen können.
Greifen Sie ein, wenn fremde Arbeit übernommen oder zerstört wird
Wenn Material herausgerissen, eine Arbeit lächerlich gemacht oder absichtlich zerstört wird, unterbrechen Sie den Vorgang. Benennen Sie die Grenze ruhig und konkret: „Das Häuschen bleibt jetzt so. Über eine Veränderung entscheidet ihr zuerst gemeinsam.“ Geben Sie anschließend dem Kind, dessen Entwurf betroffen ist, Raum zu sagen, was es bewahren möchte.
Klären Sie für die Fortsetzung, welche Veränderungen vorher besprochen werden müssen. Jedes Kind kann Details am eigenen Gebäude selbstständig ergänzen, doch das Verschieben einer gemeinsamen Straße betrifft beide. Eine solche Vereinbarung muss nicht die Genehmigung jeder Linie oder jedes aufgeklebten Fensters einschließen.
Ein Kind, das häufig Anweisungen gibt, können Sie in die Suche nach einer Einigung einbeziehen: „Finde heraus, was dein Bruder an seinem Entwurf behalten möchte.“ Bei der nächsten Entscheidung kann es das andere Kind fragen. Die Leitung eines gemeinsamen Bereichs umfasst dann auch Zuhören und herauszufinden, was die anderen brauchen.
Wenn Sie selbst begonnen haben, den Plan zu stark zu steuern, können Sie den Kindern eine konkrete Wahl zurückgeben: „Ich habe schon viele Dinge vorgeschlagen. Wohin diese Straße führt, überlasse ich jetzt eurer Vereinbarung.“ Beim Schneiden oder Befestigen dürfen Sie je nach Bedarf helfen und zugleich fragen, welche Form die Kinder sich wünschen.
Verkleinern Sie den gemeinsamen Teil, wenn Einigungen zu schwierig werden
Wenn die Kinder sich fast über nichts einigen können, vereinfachen Sie das Projekt. Jedes kann einen eigenen Bereich auf einem separaten Blatt gestalten, und gemeinsam lösen sie nur noch die Verbindung. Bei der Modellstadt sind das zwei Viertel und eine Straße dazwischen. Bei einer Geschichte können es zwei Figuren und eine kurze gemeinsame Szene sein.
Bei unterschiedlichen Fähigkeiten passen Sie den Umfang der Aufgabe an. Ein Kind kann ein Gebäude zeichnen, das andere es beschreiben und die passenden Teile auswählen. Beide müssen nicht gleich viele Arbeitsschritte übernehmen, um ihre eigene Vorstellung einzubringen. Prüfen Sie jedoch, ob die Hilfe des älteren oder geschickteren Kindes tatsächlich willkommen ist.
Bei Müdigkeit oder starker Aufregung dürfen Sie das freiwillige Gestalten verschieben. Wenn eines der beiden Kinder kein Interesse am gemeinsamen Projekt hat, bieten Sie ihm eine eigene Tätigkeit an. Ein fertiges Gemeinschaftswerk muss nicht das Ziel jedes Nachmittags sein.
Fragen Sie am Ende nach einer gemeinsamen Vereinbarung
Wählen Sie bei einem fertigen oder noch unfertigen Werk eine Frage aus: „Was habt ihr verändert, damit die Ideen von euch beiden hineinpassen?“ Die Kinder können eine Abzweigung, ein verschobenes Gebäude oder ein neues Detail zeigen. Wenn die Einigung nicht gelungen ist, können Sie eine konkrete Stelle benennen, zu der sie beim nächsten Mal zurückkehren.
Bei der nächsten Gestaltung wiederholen Sie nur das, was geholfen hat, zum Beispiel die Teile zunächst ohne Klebstoff auszulegen oder vor einer Veränderung am Bereich des anderen nachzufragen. Treffen Sie mit den Kindern eine solche Vereinbarung noch vor dem Beginn, damit sie wissen, was sie voneinander erwarten können.