Ihr Kind sitzt über dem Heft, schaut Sie an und sagt: „Ich kann das nicht.“ Sie setzen sich dazu, erklären die Aufgabe und lösen sie gemeinsam. Beim nächsten Beispiel hören Sie denselben Satz. Dann lohnt es sich herauszufinden, wobei genau Ihr Kind Hilfe braucht. Versteht es ein Wort nicht, weiß es nicht, wie es anfangen soll, oder möchte es den Lösungsweg überprüfen?
Bei den Hausaufgaben jüngerer Schulkinder können Sie eine konkrete Bitte um Hilfe einüben. Ihr Kind lernt dabei zu zeigen, was es bereits verstanden hat und an welcher Stelle es nicht weiterkommt. Sie erkennen besser, was Sie erklären sollten. Der folgende Ansatz soll das Gespräch erleichtern. Machen Sie die Fähigkeit, eine solche Bitte zu formulieren, jedoch nicht zur Voraussetzung dafür, dass Ihr Kind Hilfe bekommt.
Finden Sie zuerst gemeinsam die Stelle, an der es nicht weitergeht
Auf ein allgemeines „Ich weiß es nicht“ müssen Sie nicht sofort mit einer vollständigen Erklärung reagieren. Versuchen Sie es mit einer einzigen Frage: „Zeigst du mir, an welcher Stelle du nicht weiterkommst?“ Lassen Sie Ihr Kind anschließend erzählen, auf die entsprechende Stelle im Heft zeigen oder etwas zeichnen. Wenn es nicht antworten kann, gehen Sie den Anfang der Aufgabe gemeinsam durch und suchen Sie nach der ersten Unklarheit.
Daran, dass Ihr Kind schweigt, erkennen Sie noch nicht, ob das Lesen, der Lernstoff oder das Formulieren einer Frage die eigentliche Hürde ist. Die folgenden Situationen sind daher nur Möglichkeiten, die Sie gemeinsam überprüfen sollten.
| Mögliche Hürde | So lässt sie sich genauer bestimmen | Was das Kind fragen könnte |
|---|---|---|
| Es versteht ein Wort in der Aufgabenstellung nicht. | Bitten Sie es, das unklare Wort oder den unklaren Satz zu zeigen. | „Was bedeutet hier ‚vergleichen‘?“ |
| Es weiß nicht, was am Ende herauskommen soll. | Sprechen Sie gemeinsam darüber, was es abgeben oder herausfinden soll. | „Soll ich nur die Antwort oder auch den Rechenweg aufschreiben?“ |
| Es kennt das Ziel, weiß aber nicht, wie es weitermachen soll. | Schauen Sie sich den letzten Schritt an, den es noch verstanden hat. | „Kannst du mir erklären, was ich nach dieser Rechnung machen soll?“ |
| Es hat eine Lösung, kann sie aber nicht überprüfen. | Fragen Sie, bei welchem Teil es unsicher ist. | „Wie kann ich feststellen, ob mein Ergebnis zur Aufgabe passt?“ |
Vielleicht braucht Ihr Kind schon beim Lesen des ersten Satzes Unterstützung. Beginnen Sie dann genau dort. Es muss nicht erst eine falsche Lösung produzieren, um Anspruch auf eine Erklärung zu haben.
Bieten Sie drei sprachliche Anhaltspunkte an
Wenn Sie die unklare Stelle gefunden haben, können Sie Ihrem Kind eine einfache Struktur anbieten. Am Anfang reicht es, einen einzigen Satz zu ergänzen. Die weiteren Teile kommen nur hinzu, wenn sie gebraucht werden.
- „Ich verstehe, dass …“ Das Kind benennt, was ihm klar ist: „Ich soll herausfinden, wie viele Buntstifte es insgesamt sind.“
- „Ich habe versucht …“ Es zeigt, was es bisher gemacht hat: „Ich habe Kästchen gezeichnet.“ Wenn es noch nichts ausprobiert hat, können Sie diesen Teil weglassen.
- „Ich brauche eine Erklärung zu …“ Es benennt die konkrete Lücke: „Wie schreibe ich die Zeichnung als Rechnung auf?“
Diese Struktur muss nicht bei jeder Aufgabe wortwörtlich aufgesagt werden. Sie soll die Verständigung erleichtern. Wenn Ihr Kind mit eigenen Worten sagt: „Diese Zeile verstehe ich nicht“, können Sie direkt darauf eingehen. In diesem Moment seine Formulierung zu korrigieren, würde lediglich eine zusätzliche Aufgabe schaffen.
So kann ein Gespräch über eine Aufgabe aussehen
Beispiel: Ein Kind soll die Anzahl der Buntstifte in drei Schachteln bestimmen. In jeder Schachtel liegen acht Buntstifte. Es zeichnet drei Schachteln und sagt anschließend, dass es nicht weiterweiß. Der Elternteil prüft zunächst, ob das Kind die Formulierung „in jeder“ versteht, und bittet es dann, die Schachteln in der Zeichnung zu füllen.
Das Kind zeichnet in jede Schachtel acht Buntstifte. Es kann sie zählen, weiß aber nicht, wie es die Rechnung aufschreiben soll. Gemeinsam formulieren sie daher die Bitte: „Kannst du mir zeigen, wie ich das, was ich gezählt habe, aufschreibe?“ Nun ist klar, dass es um den Übergang von der Zeichnung zur schriftlichen Darstellung geht.
Der Elternteil kann fragen: „Wie könnten wir die Anzahl in der ersten Schachtel aufschreiben und die Anzahl in der zweiten dazuzählen?“ Dabei verwendet er einen Weg, den das Kind aus der Schule kennt. Wenn Multiplikation noch nicht behandelt wurde, können sie mit einer Addition arbeiten. Den nächsten Teil der Rechnung lässt der Elternteil vom Kind aufschreiben und prüft anschließend gemeinsam mit ihm, ob der Eintrag zur Zeichnung passt.
Wenn das Kind auch nach der Erklärung nicht weiterkommt, müssen Sie nicht noch mehr Fragen stellen. Sie können einen Schritt direkt vormachen und es anschließend einen ähnlichen Schritt selbst versuchen lassen. Eine konkrete Bitte hilft Ihnen, einen sinnvollen Ausgangspunkt zu finden. Sie legt jedoch nicht fest, wie viele Erklärungen ausreichen.
Vereinbaren Sie nach der Erklärung den nächsten Schritt
Wenn Ihr Kind Hilfe bekommen hat, sprechen Sie darüber, was es nun selbst tun kann. Es kann den nächsten Satz lesen, eine Rechnung aufschreiben oder eine Information im Text suchen. „Versuch jetzt, die dritte Schachtel aufzuschreiben“ ist konkreter als „Mach jetzt weiter“.
Wenn Ihr Kind nach kurzer Zeit wieder nach Hilfe fragt, prüfen Sie, ob es um dieselbe oder um eine neue Hürde geht. Die Lösung einer einzelnen Unklarheit muss nicht für die gesamte Aufgabe ausreichen. Vielleicht versteht das Kind die Rechnung, braucht aber noch Hilfe dabei, eine Antwort in Worten zu formulieren.
Wenn es bei einer vertrauten Aufgabe nach jeder Zeile eine Bestätigung verlangt, können Sie eine Kontrolle nach einem vollständig gelösten Beispiel vereinbaren. Zeigen Sie ihm vorher, was es zwischendurch selbst überprüfen kann, etwa ob es alle Angaben aus der Aufgabe verwendet hat. Wenn sich zeigt, dass es den Lösungsweg nicht versteht, kehren Sie zur Erklärung zurück.
Bereiten Sie eine brauchbare Frage für die Schule vor
Das Gespräch zu Hause können Sie auch nutzen, um eine Frage für die Lehrkraft vorzubereiten. Tauschen Sie in einem ruhigen Moment die Rollen: Sie sind die Lehrkraft, und Ihr Kind zeigt Ihnen die unklare Stelle der Aufgabe. Ein kurzer Versuch genügt, damit es das Ansprechen und Bitten um Unterstützung üben kann.
Die Frage könnte lauten: „Frau Lehrerin, den ersten Teil habe ich ausgerechnet, aber ich weiß nicht, wofür ich diese Zahl brauche. Können Sie mir das erklären?“ Das Kind kann dabei mit dem Finger auf die betreffende Zahl zeigen. Es muss sich nicht den gesamten vorbereiteten Satz merken.
Wenn es ihm schwerfällt, vor der Klasse zu fragen, klären Sie mit der Lehrkraft, auf welche Weise das Kind im Unterricht um Hilfe bitten kann. Möglich wären eine Frage während der Stillarbeit, ein kurzes Gespräch nach der Erklärung der Aufgabe oder das Zeigen auf eine markierte Stelle im Heft. Die Vereinbarung sollte für das Kind verständlich und für die Lehrkraft umsetzbar sein.
Üben Sie auch die Situation, in der die erste Erklärung nicht ausreicht: „Den Anfang verstehe ich, aber ich weiß immer noch nicht, warum hier subtrahiert wird.“ So hat Ihr Kind auch für eine weitere Nachfrage passende Worte. Es muss nicht so tun, als hätte es alles verstanden, nur weil bereits jemand geantwortet hat.
Passen Sie das Gespräch an das an, was Ihr Kind gerade leisten kann
Wenn Ihr Kind aufgewühlt ist, weint oder nicht mehr über die Aufgabe sprechen möchte, verschieben Sie das Üben von Fragen. Bieten Sie eine Pause an und kehren Sie später zu einer konkreten Stelle zurück. In diesem Moment müssen Sie nicht auf jede Ihrer Fragen eine genaue Antwort bekommen.
Bei Schwierigkeiten mit dem Lesen oder Formulieren können Sie die Aufgabe gemeinsam lesen, das unklare Wort markieren oder eine Zeichnung verwenden. Auch das Zeigen auf ein Problem ist eine Form der Kommunikation. Passen Sie Länge und Anspruch des Gesprächs daran an, was Ihr Kind ausdrücken kann.
Wenn Ihr Kind trotz Ihrer Unterstützung wiederholt beim gleichen Lernstoff nicht weiterkommt, sprechen Sie anhand einer konkreten Arbeitsprobe mit der Lehrkraft. Erklären Sie, was das Kind bereits geschafft hat, wo es stecken geblieben ist und welche Erklärung Sie versucht haben. Gemeinsam können Sie vereinbaren, welcher Stoff erneut aufgegriffen werden sollte oder welche weitere Unterstützung nötig ist. Das Einüben von Fragen allein ersetzt keine Erklärung des fehlenden Lernstoffs.
Probieren Sie beim nächsten Lernen nur eine Veränderung aus
Wählen Sie den Satz „Zeig mir die Stelle, bei der du Hilfe brauchst“ und verwenden Sie ihn bei der nächsten passenden Aufgabe. Helfen Sie Ihrem Kind anschließend, die Frage zu Ende zu formulieren, und widmen Sie sich der markierten Stelle. Sie brauchen dafür weder Lernkarten noch einen völlig neuen Lernrhythmus.
Beobachten Sie bei den nächsten Aufgaben, ob Ihr Kind ein unverständliches Wort zeigen, seinen bisherigen Versuch erklären oder sagen kann, dass es ein Beispiel braucht. Wenn es ihm gelingt, benennen Sie den konkreten Nutzen: „Als du mir diese Zeile gezeigt hast, wusste ich, was ich dir erklären soll.“ So erhält Ihr Kind eine verständliche Rückmeldung darüber, wie seine Frage ihm geholfen hat, Unterstützung zu bekommen.