Auf einer beruflichen Veranstaltung fragt Sie jemand, was Sie beruflich machen. Sie wissen, dass ein gelungenes Projekt ein gutes Beispiel wäre, doch sofort kommt der Gedanke auf: Ich will nicht prahlen. Also antworten Sie sehr allgemein. Ihr Gegenüber erfährt kaum, was Sie können, und das Gespräch endet, bevor es richtig begonnen hat.
In beruflichen Beziehungen gehört es ganz selbstverständlich zur Kommunikation, sich selbst und die eigene Arbeit vorzustellen. Entscheidend ist nicht, ob Sie über Erfolge sprechen, sondern wie Sie sie einordnen und was Ihr Gegenüber dadurch verstehen kann. Es geht nicht darum, besonders wichtig zu wirken, sondern genügend Informationen für ein sinnvolles Gespräch zu geben.
Prahlen und professionelle Selbstpräsentation sind nicht dasselbe
Beim Prahlen steht meist die Bewertung der eigenen Person im Mittelpunkt. Eine professionelle Selbstpräsentation beschreibt dagegen Erfahrungen, Ergebnisse oder die eigene Arbeitsweise, die für die jeweilige Situation relevant sind. Der Unterschied kann in der Wortwahl klein sein, aber die Wirkung des Gesprächs deutlich verändern.
| Ansatz | Beispiel | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Selbstbewertung | Ich gehöre zu den Besten bei solchen Projekten. | Die eigene Besonderheit steht im Vordergrund. |
| Erfahrung beschreiben | Im vergangenen Jahr habe ich drei ähnliche Projekte geleitet. | Das Gegenüber erhält einen konkreten Einblick. |
| Vage herunterspielen | Ich mache dort so einiges, nichts Besonderes. | Es bleibt unklar, was Sie tatsächlich können. |
| Konkreten Beitrag nennen | Im Projekt war ich für die Einführung eines neuen Prozesses verantwortlich. | Das Gespräch kann mit Rückfragen natürlich weitergehen. |
Sie müssen sich nicht selbst als erfolgreich bezeichnen. Oft genügt es zu sagen, was Sie getan haben, was dabei erreicht wurde und wofür Sie verantwortlich waren.
Beginnen Sie mit dem, was für Ihr Gegenüber wichtig ist
Bei einer ersten Begegnung müssen Sie nicht Ihren gesamten beruflichen Werdegang vorstellen. Sinnvoller ist es, eine Erfahrung auszuwählen, die zum Gesprächsthema passt.
Wenn Sie sich zum Beispiel mit jemandem aus der Logistik unterhalten, müssen Sie nicht alle beruflichen Erfolge aufzählen. Erwähnen Sie stattdessen ein Projekt, in dem Sie ein ähnliches Problem gelöst haben. Bei einem Gespräch mit einer Führungskraft kann Ihre Erfahrung mit der Einführung eines Prozesses oder der Koordination von Mitarbeitenden besonders relevant sein.
Eine hilfreiche Frage an sich selbst lautet: Welche Information hilft meinem Gegenüber zu verstehen, warum es sich lohnt, dieses Gespräch fortzusetzen?
Nutzen Sie das einfache Muster Aufgabe, Ergebnis, Erkenntnis
Wenn es Ihnen schwerfällt, natürlich über Ihre Erfolge zu sprechen, kann eine kurze Struktur helfen. Sie müssen keine lange Geschichte erzählen. Drei Elemente reichen:
- Aufgabe: Wofür waren Sie zuständig oder welches Problem haben Sie bearbeitet?
- Ergebnis: Was wurde erreicht oder verbessert?
- Erkenntnis: Was haben Sie daraus gelernt, und was können Sie heute besser?
Statt zu sagen: „Ich habe ein sehr erfolgreiches Projekt geleitet“, könnten Sie formulieren: „Ich habe in einem kleineren Team die Einführung eines neuen Systems koordiniert. Wir konnten auf das neue Verfahren umstellen, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Seitdem achte ich besonders darauf, die Mitarbeitenden vor einer Veränderung gut vorzubereiten.“
So klingt die Vorstellung nicht bloß wie eine Liste von Erfolgen. Sie verbindet Erfahrung mit Reflexion und bietet dem Gegenüber mehrere Anknüpfungspunkte.
Setzen Sie sich nicht unter Druck, beeindruckend klingen zu müssen
Unsicherheit bei der Selbstpräsentation nimmt oft zu, wenn wir glauben, um jeden Preis beeindrucken zu müssen. Dann entstehen zwei Extreme: Entweder übertreiben wir unsere Erfolge oder verschweigen sie lieber ganz.
Ein hilfreicheres Ziel ist einfacher: verständlich und konkret sein. Ihr Gegenüber muss nicht Ihre Karriere bewundern. Es sollte wissen, wer Sie sind, womit Sie sich beschäftigen und ob es ein gemeinsames Thema gibt.
Konkrete Beispiele wirken glaubwürdiger als große Worte
Bezeichnungen wie erfolgreich, außergewöhnlich, führend oder revolutionär sagen wenig aus, wenn keine konkreten Inhalte folgen. Beim Networking ist es meist hilfreicher, die eigene Tätigkeit oder ein Ergebnis zu benennen.
Zum Beispiel:
- Statt „Ich bin eine sehr erfahrene Führungskraft“ nennen Sie die Teams oder Projekte, die Sie geleitet haben.
- Statt „Ich habe hervorragende Kontakte“ beschreiben Sie, in welchem beruflichen Umfeld Sie sich seit längerer Zeit bewegen.
- Statt „Ich arbeite an großen Projekten“ skizzieren Sie kurz die Art des Projekts und Ihre Rolle.
- Statt „Ich bin Experte für Veränderungen“ nennen Sie die Art der Veränderung, mit der Sie sich beschäftigt haben.
Konkretheit hat noch einen Vorteil: Ihr Gegenüber kann sich selbst ein Bild vom Wert Ihrer Erfahrung machen, ohne dass Sie es dazu drängen.
Sprechen Sie auch über die Grenzen Ihrer Erfahrung
Eine professionelle Selbstpräsentation muss nicht ausschließlich positive Ergebnisse aufzählen. Auch ein Satz, der zeigt, was Sie noch nicht gemacht haben oder wo Sie weniger Erfahrung mitbringen, kann glaubwürdig wirken.
Zum Beispiel: „Ich kenne diesen Bereich eher aus kleineren Projekten. Bei einer umfangreichen Einführung müsste ich mich noch in einige technische Details einarbeiten.“ Das schmälert Ihren Wert nicht automatisch. Im Gegenteil: Es hilft Ihrem Gegenüber einzuschätzen, wo Ihre tatsächliche Erfahrung liegt und wo Unsicherheit beginnt.
In beruflichen Beziehungen ist langfristige Glaubwürdigkeit oft wertvoller als ein einmaliger starker Eindruck.
Richten Sie den Fokus nach Ihrer Vorstellung wieder auf Ihr Gegenüber
Ein Gespräch wirkt vor allem dann wie Prahlerei, wenn es sich lange nur um eine Person dreht. Stellen Sie nach einer kurzen Beschreibung Ihrer Erfahrung daher ganz selbstverständlich eine Frage an Ihr Gegenüber.
Zum Beispiel:
- „Wie gehen Sie bei Ihnen damit um?“
- „Was ist bei ähnlichen Projekten für Sie die größte Herausforderung?“
- „Beschäftigen Sie sich gerade mit diesem Thema?“
- „Was hat sich bei diesem Ansatz für Sie bewährt?“
So wird aus der Selbstpräsentation ein Austausch. Es geht nicht mehr darum, den eigenen Wert einseitig zu beweisen, sondern einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt zu finden.
Ein Beispiel aus einer Networking-Veranstaltung
Stellen Sie sich vor, Sie unterhalten sich bei einer Fachveranstaltung mit jemandem, der in einem Unternehmen arbeitet, mit dem eine künftige Zusammenarbeit für Sie interessant sein könnte. Die Person fragt Sie, was Sie beruflich machen.
Eine zu vage Antwort wäre: „Ich arbeite im Projektmanagement.“ Zu forciert klingt dagegen: „Ich bin ein sehr guter Projektmanager und habe schon zahlreiche erfolgreiche Projekte umgesetzt.“
Ausgewogener wäre: „Ich leite Projekte, bei denen interne Abläufe verändert und mehrere Teams aufeinander abgestimmt werden müssen. Im vergangenen Jahr ging es vor allem darum, neue Verfahren einzuführen, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. Wie organisieren Sie solche Veränderungen bei sich?“
In wenigen Sätzen vermitteln Sie Fachkenntnis und Erfahrung und eröffnen zugleich ein Thema für die Fortsetzung des Gesprächs. Sie müssen sich dabei nicht selbst bewerten.
Bereiten Sie drei Erfahrungen vor, keinen auswendig gelernten Monolog
Wenn Sie sich beim Networking unsicher fühlen, kann Vorbereitung helfen. Allerdings muss es keine perfekt einstudierte Rede sein. Sinnvoller ist es, drei kurze Erfahrungen im Kopf zu haben, die je nach Situation passen.
Wählen Sie zum Beispiel:
- Ein Projekt, auf das Sie stolz sind: Es zeigt eine Ihrer Stärken.
- Ein Problem, das Sie gelöst haben: Es zeigt, wie Sie denken und vorgehen.
- Eine Situation, aus der Sie etwas gelernt haben: Sie zeigt, dass Sie reflektieren und sich weiterentwickeln.
Versuchen Sie, jede Erfahrung in drei oder vier Sätzen zusammenzufassen. Sie müssen sie später nicht aufsagen können, sondern lediglich wissen, worauf es dabei ankommt.
Diese Fehler sollten Sie bei der Selbstpräsentation vermeiden
Auch gute Inhalte können unangenehm wirken, wenn sie nicht zur Situation passen. Achten Sie besonders auf folgende Fehler:
- Ein zu langer Monolog: Wenn Ihr Gegenüber keinen Raum zum Reagieren bekommt, wird aus dem Gespräch ein Vortrag.
- Vergleiche mit anderen: Sie müssen Ihren Wert nicht dadurch beweisen, dass Sie Kolleginnen, Kollegen oder Mitbewerber abwerten.
- Erfolge ohne Kontext: Eine Liste von Titeln und Projekten muss nicht zum aktuellen Gesprächsthema passen.
- Den eigenen Beitrag übertreiben: Bei gemeinsamen Ergebnissen sollten Sie klar benennen, wofür Sie selbst verantwortlich waren und was das Team zusammen erreicht hat.
- Falsche Bescheidenheit: Die eigene Arbeit herunterzuspielen kann ebenso unnatürlich wirken wie übertriebenes Prahlen.
Wenn Ihnen die Selbstpräsentation schwerfällt, machen Sie einen kleinen Schritt
Sie müssen sich nicht von heute auf morgen in eine Person verwandeln, die ohne Zögern auf alle Menschen im Raum zugeht. Wenn es Ihnen unangenehm ist, sich beruflich vorzustellen, beginnen Sie in Situationen mit geringerem Druck.
Üben Sie eine kurze Vorstellung zum Beispiel im Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen aus einer anderen Abteilung, bei einem kleineren Fachtreffen oder in einer ungezwungenen Unterhaltung nach einem Vortrag. Das Ziel ist nicht, mehr über sich zu erzählen, sondern die eigene Arbeit genauer zu beschreiben.
Mit der Zeit merken Sie, welche Formulierungen zu Ihnen passen und bei welchen Sie das Gefühl haben, eine fremde Rolle zu spielen. Auch das ist hilfreiche Rückmeldung.
Gute berufliche Beziehungen entstehen nicht durch einen einzigen starken Eindruck
Eine erste Vorstellung kann ein Gespräch eröffnen. Eine langfristige berufliche Beziehung beruht jedoch auf weiterer Kommunikation, Verlässlichkeit und gegenseitigem Interesse. Sie müssen daher nicht in den ersten fünf Minuten alles unterbringen, was Sie jemals erreicht haben.
Wenn sich das Gespräch weiterentwickelt, können Sie später von weiteren Erfahrungen erzählen. Wenn es nicht in Gang kommt, macht auch eine perfekt vorbereitete Liste Ihrer Erfolge daraus nicht unbedingt einen wertvollen Kontakt.
Probieren Sie bei nächster Gelegenheit einen einfachen Ablauf aus: eine passende Erfahrung, ein konkretes Ergebnis und eine Frage an Ihr Gegenüber. So bleibt das Gespräch professionell, natürlich und auf Gegenseitigkeit ausgerichtet.