Ein Familienmitglied zeigt Ihnen einmal, wie Sie eine Rechnung bezahlen, ein Foto an eine Nachricht anhängen oder online einen Termin buchen. In diesem Moment verstehen Sie den Ablauf. Zwei Wochen später sitzen Sie wieder vor demselben Bildschirm und wissen nicht mehr, was nach dem zweiten Schritt kommt. Das liegt nicht daran, dass Sie Technik nicht lernen können, sondern oft daran, dass Sie den Ablauf seitdem nicht mehr gebraucht haben.
Bei wiederkehrenden digitalen Aufgaben kann eine einfache Hilfe viel bewirken: eine kurze Anleitung in Ihren eigenen Worten. Sie soll weder eine offizielle Dokumentation noch Sicherheitsregeln ersetzen. Vielmehr erinnert sie Sie an einen konkreten Ablauf, den Sie bereits kennen, damit Sie bei jeder Kleinigkeit nicht wieder von vorn anfangen müssen.
Erstellen Sie eine Anleitung für eine Aufgabe, die Sie wirklich nutzen
Es bringt wenig, Dutzende Funktionen Ihres Telefons aufzuschreiben, nur weil es sie gibt. Beginnen Sie mit Aufgaben, die in Ihrem Alltag wiederkehren und die Sie selbstständiger erledigen möchten.
Das könnten zum Beispiel sein:
- einen Termin buchen – über eine Website oder App,
- ein Foto verschicken – an Familie oder Bekannte,
- eine Verbindung heraussuchen,
- eine übliche Rechnung bezahlen – in einem Dienst, den Sie bereits nutzen,
- an einem Videoanruf teilnehmen,
- eine bestimmte Einstellung finden – auf Ihrem Telefon.
Je konkreter die Aufgabe, desto hilfreicher wird die Anleitung. „So benutze ich mein Telefon“ ist zu allgemein. „So verschicke ich ein Foto in einer Nachricht“ sagt genau, worum es geht.
Notieren Sie den Ablauf beim Lernen, nicht erst eine Stunde später
Wenn Ihnen jemand einen neuen Ablauf zeigt, haben Sie leicht das Gefühl, Sie würden ihn sich merken. Auf dem Bildschirm wirkt alles logisch, weil Sie den nächsten Schritt gerade sehen. Später geraten jedoch oft gerade die Kleinigkeiten in Vergessenheit, auf die es ankommt.
Schreiben Sie Ihre Anleitung deshalb gleich beim Lernen mit. Halten Sie nach jedem wichtigen Schritt kurz inne und notieren Sie, was Sie getan haben. Wenn Ihnen jemand hilft, bitten Sie die Person, nicht zu schnell zu klicken und Sie die Schritte selbst ausführen zu lassen.
Statt „Dann öffne ich die Einstellungen“ ist vielleicht hilfreicher: „Auf dem Startbildschirm suche ich das Symbol ‚Einstellungen‘ und öffne es.“ Ihre Notizen müssen technisch nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass Sie selbst sie auch nach einigen Wochen noch verstehen.
Jeder Schritt braucht eine Handlung und einen Orientierungspunkt
Eine Anleitung wie „Klicken Sie auf Weiter, bestätigen Sie und wählen Sie eine Option“ kann später unbrauchbar sein. Es fehlt der Hinweis, wo Sie sich befinden und wonach Sie auf dem Bildschirm suchen sollen.
Ein praktischer Eintrag besteht bei jedem Schritt aus zwei Teilen:
- Was tue ich? Ich öffne, wähle aus, schreibe, überprüfe oder bestätige etwas.
- Woran orientiere ich mich? Am Namen der Schaltfläche, des Bereichs, des Symbols oder des Bildschirms.
Zum Beispiel: „Ich öffne Nachrichten. Ich wähle den Namen der Person aus. Neben dem Eingabefeld suche ich das Symbol zum Hinzufügen eines Fotos. Ich wähle das Bild aus und prüfe vor dem Senden, ob es das richtige ist.“
So eine Anleitung sagt Ihnen nicht nur, was Sie antippen sollen. Sie hilft Ihnen auch zu erkennen, ob Sie noch an der richtigen Stelle sind.
Trennen Sie den normalen Ablauf von der Sicherheitskontrolle
Bei manchen Aufgaben reicht es nicht zu wissen, wo man klicken muss. Ebenso wichtig ist zu erkennen, wann man besser nicht weitermacht. Das gilt besonders bei Zahlungen, Einkäufen, Anmeldungen oder Nachrichten, in denen nach persönlichen Daten gefragt wird.
| Teil der Anleitung | Was er enthält | Beispiel |
|---|---|---|
| Normaler Ablauf | Die Schritte für eine vertraute Aufgabe | Anmelden, Dienst auswählen, Angaben prüfen |
| Kontrollpunkt | Eine Stelle, an der Sie vor dem Weitermachen innehalten | Ich prüfe den Namen des Empfängers und den Betrag |
| Stoppregel | Eine Situation, in der Sie nicht automatisch fortfahren | Eine Nachricht verlangt Angaben, die ich sonst nicht eingebe |
Eine Stoppregel kann ganz einfach lauten: „Wenn der Bildschirm deutlich anders aussieht als sonst oder ungewöhnliche Angaben verlangt, bestätige ich nichts und prüfe erst die Situation.“
Schreiben Sie Passwörter nicht in dieselbe Anleitung
Der Ablauf und die Zugangsdaten sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Sie eine Anleitung für eine digitale Aufgabe erstellen, müssen Sie darin nicht auch Ihr Passwort, Ihre PIN oder andere sensible Angaben notieren, nur damit alles an einem Ort steht.
Sie können zum Beispiel schreiben: „Ich melde mich mit meinen Zugangsdaten an.“ Bewahren Sie die geheimen Daten jedoch auf die dafür vorgesehene sichere Weise auf. So können Sie Ihre Anleitung einer Person zeigen, die Sie beim Ablauf unterstützt, ohne zugleich alle Zugangsdaten offenzulegen.
Bitten Sie Ihre Familie, Sie selbst klicken zu lassen
Die schnellste Hilfe besteht oft darin, dass jemand Ihr Telefon nimmt, alles erledigt und es Ihnen zurückgibt. Das Problem ist gelöst, aber die Fähigkeit bleibt bei der helfenden Person.
Wenn Sie die Aufgabe lernen möchten, bitten Sie um eine andere Art der Unterstützung: Die andere Person soll Ihnen sagen, wonach Sie suchen müssen, aber Sie führen die Schritte selbst aus. Wenn Sie etwas nicht finden, soll sie zuerst beschreiben, wo sich das Element befindet, und erst danach direkt eingreifen.
Sie können sagen: „Bitte klick nicht für mich. Zeig mir, wo ich es finde, und ich schreibe es gleich auf.“ So wird aus der Hilfe nicht nur die Lösung eines einzelnen Problems, sondern auch eine Übung in Selbstständigkeit.
Ein Beispiel für das Buchen eines Termins
Stellen Sie sich vor, Sie lernen, über eine Website einen Termin zu buchen, die Sie nur ein paar Mal im Jahr nutzen. Statt sich auf Ihr Gedächtnis zu verlassen, erstellen Sie eine kurze Anleitung.
- Ich öffne die vertraute Website des Dienstes. Ich prüfe, ob es die Seite ist, die ich normalerweise nutze.
- Ich suche nach der Buchungsmöglichkeit. Ich achte auf Bezeichnungen wie „Buchen“, „Reservierung“ oder „Termin“.
- Ich wähle die Art der Dienstleistung aus. Bevor ich fortfahre, prüfe ich, ob die Auswahl stimmt.
- Ich wähle Datum und Uhrzeit aus. Ich prüfe, ob der Termin für mich tatsächlich passt.
- Ich gebe die erforderlichen Angaben ein. Ich trage nichts Zusätzliches ein, nur weil ein unbekanntes Fenster danach fragt.
- Vor dem Bestätigen prüfe ich die Zusammenfassung.
- Ich warte auf die Bestätigung. Wenn der Dienst normalerweise eine Bestätigung schickt, prüfe ich, ob sie angekommen ist.
Die Anleitung muss nicht jeden Bildschirm genau abbilden. Sie soll Sie an Orientierungspunkte erinnern, mit denen Sie den Ablauf wiederholen und zugleich erkennen können, wenn etwas anders aussieht.
Notieren Sie, was Sie bei einem veränderten Bildschirm tun
Apps und Websites ändern sich mit der Zeit. Eine Schaltfläche kann an einer anderen Stelle stehen, ein Bereich kann anders heißen oder ein neuer Schritt kann hinzukommen. Wenn Sie erwarten, dass Ihre persönliche Anleitung für immer unverändert gilt, kann Sie die erste Änderung unnötig verunsichern.
Fügen Sie deshalb am Ende der Anleitung einen Satz hinzu: „Wenn der Ablauf nicht zum Bildschirm passt, suche ich nicht um jeden Preis nach genau demselben Element. Zuerst prüfe ich, ob sich der Dienst geändert hat.“
Dann können Sie Ihre Familie, die offizielle Hilfe oder eine andere vertrauenswürdige Unterstützung hinzuziehen. Wenn die Änderung geklärt ist, aktualisieren Sie Ihre Anleitung. Eine Anleitung ist ein Arbeitshilfsmittel, keine unveränderliche Vorschrift.
Unterscheiden Sie zwischen einem Ablaufproblem und einem Problem mit dem Dienst
Wenn etwas nicht funktioniert, muss der Fehler nicht bei Ihrem Vorgehen liegen. Der Dienst kann vorübergehend nicht verfügbar sein, die Internetverbindung kann ausfallen oder das Gerät kann anders reagieren als sonst.
Bevor Sie zehn Schritte wiederholen, stellen Sie sich drei Fragen:
- Bin ich auf der richtigen Website oder in der richtigen App?
- Funktionieren Internet und Gerät wie gewohnt?
- Besteht das Problem auch nach erneutem Öffnen des Dienstes?
Wenn das Problem bestehen bleibt, ist es möglicherweise sinnvoller, um Hilfe zu bitten, als wahllos verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. Zu digitalen Fähigkeiten gehört nicht nur, weitermachen zu können. Dazu gehört auch, zu wissen, wann man aufhören sollte.
Machen Sie aus der Anleitung eine kurze Übung in Selbstständigkeit
Wenn Sie die Anleitung fertiggestellt haben, versuchen Sie die Aufgabe noch einmal ohne Hilfe. Halten Sie die Anleitung griffbereit, aber versuchen Sie nicht, sie auswendig zu lernen. Ziel ist, dass Sie sich mit ihrer Hilfe zurechtfinden.
Markieren Sie beim Wiederholen:
- welcher Schritt klar war,
- an welcher Stelle Sie unsicher waren,
- welches Wort oder Symbol Sie nicht finden konnten,
- welche Kontrolle Ihnen mehr Sicherheit gegeben hat.
Kürzen oder präzisieren Sie danach die Anleitung. Wenn Sie die ersten drei Schritte bereits sicher beherrschen, müssen Sie sie nicht ausführlich aufschreiben. Ergänzen Sie dagegen die Stelle genauer, an der Sie Schwierigkeiten hatten.
Lieber fünf hilfreiche Anleitungen als ein großes Heft
Wenn Sie anfangen, alles aufzuschreiben, kann ein neues Problem entstehen: Die Anleitung wird so umfangreich, dass Sie nichts mehr darin finden. Legen Sie deshalb nur eine kleine Sammlung für Aufgaben an, die Sie tatsächlich nutzen.
Sie können einzelne Seiten oder Notizen mit Titeln wie „Videoanruf“, „Foto in einer Nachricht“, „Termin buchen“, „Verbindung suchen“ und „Übliche Onlinezahlung“ erstellen. Jede sollte nur die nötigen Schritte, Kontrollpunkte und Stoppregeln enthalten.
Sehen Sie die Sammlung von Zeit zu Zeit durch und prüfen Sie, was Sie noch brauchen. Veraltete Abläufe sollten Sie entfernen oder als überholt kennzeichnen, damit sie Sie später nicht verwirren.
Beginnen Sie mit einer Aufgabe, die zuletzt jemand anderes für Sie erledigt hat
Wenn Sie nicht wissen, welche Anleitung Sie zuerst erstellen sollen, denken Sie an die letzte digitale Aufgabe, bei der Sie jemanden aus Ihrer Familie angerufen haben, weil Ihnen der Ablauf nicht mehr eingefallen ist.
Erledigen Sie diese Aufgabe bei der nächsten Gelegenheit gemeinsam. Sie klicken, die andere Person erklärt, und Sie notieren nur die entscheidenden Schritte. Wiederholen Sie die Aufgabe anschließend einmal allein.
So wird digitale Kompetenz nicht zu einem abstrakten Ziel wie „Ich muss mich mit Technik besser auskennen“. Sie wird zu einer konkreten Aufgabe, deren Ablauf Sie festgehalten und verstanden haben und die Sie beim nächsten Mal selbstständiger wiederholen können.