Lob annehmen, ohne die eigenen Fähigkeiten kleinzureden

Lob annehmen, ohne die eigenen Fähigkeiten kleinzureden

Nach einer Präsentation sagt jemand, Sie hätten das Thema sehr verständlich erklärt. Statt einfach Danke zu sagen, antworten Sie automatisch: „Ach, das war doch nichts.“ Eine Kollegin lobt, wie Sie ein Problem gelöst haben, und Sie schieben sofort nach, dass Sie wohl Glück hatten. Das Lob ist ausgesprochen – und wird im selben Moment von Ihnen abgeschwächt oder beiseitegeschoben.

Eine solche Reaktion bedeutet nicht automatisch, dass Sie ein „geringes Selbstwertgefühl“ haben. Vielleicht ist sie eine Gewohnheit, Ihnen ist die Situation unangenehm, Sie möchten nicht überheblich wirken oder sind unsicher, ob das Lob wirklich berechtigt ist. Wenn Sie positives Feedback jedoch regelmäßig zurückweisen, entgeht Ihnen ein Teil der Information darüber, was Ihnen tatsächlich gut gelingt. Lob anzunehmen heißt nicht, jeder Schmeichelei zu glauben oder den eigenen Wert von der Meinung anderer abhängig zu machen.

Lob ist Feedback, kein Urteil über Ihren Wert

Es hilft, zwei Dinge auseinanderzuhalten: Eine einzelne Aussage bestimmt weder, was für ein Mensch Sie sind, noch welchen Wert Sie haben. Sie kann aber etwas über ein konkretes Verhalten, ein Ergebnis oder eine Fähigkeit aussagen, die jemand bei Ihnen wahrgenommen hat.

Wenn jemand sagt: „Du hast das Meeting gut geleitet“, müssen Sie daraus nicht den Schluss ziehen: „Ich bin eine außergewöhnliche Führungskraft.“ Sie können die konkrete Information festhalten: Vielleicht haben Sie den Fokus gehalten, andere zu Wort kommen lassen oder am Ende die nächsten Schritte klar benannt.

Je genauer Sie ein Lob in beobachtbares Verhalten übersetzen, desto weniger hängt es von einem allgemeinen Eindruck ab. So wird daraus hilfreicheres Feedback.

ReaktionWas dabei passiertHilfreichere Alternative
„Das war Zufall.“Sie spielen Ihren eigenen Anteil herunter.„Danke, die Vorbereitung hat mir diesmal geholfen.“
„Das hätte doch jeder geschafft.“Sie verallgemeinern die Leistung und verlieren dabei die konkrete Information.„Schön, dass es hilfreich war.“
„Nein, das war überhaupt nicht gut.“Sie weisen die Sichtweise Ihres Gegenübers sofort zurück.„Danke. Was genau hat gut funktioniert?“
„Du warst sowieso besser.“Sie lenken das Gespräch auf einen Vergleich.„Danke, das weiß ich zu schätzen.“

Der entscheidende Unterschied: Ein Lob anzunehmen heißt, die darin enthaltene Information anzuerkennen. Es bedeutet weder, sich selbst für außergewöhnlich zu erklären, noch jeder Bewertung zuzustimmen, die jemand über Sie äußert.

Warum Menschen Lob automatisch abschwächen

Ein Grund kann die Sorge sein, dass es angeberisch wirkt, ein Lob anzunehmen. Deshalb folgt schnell eine Relativierung, die Bescheidenheit zeigen soll. Das kann jedoch eine merkwürdige Wirkung haben: Jemand gibt Ihnen positives Feedback, und Sie erklären der Person, dass sie sich eigentlich irrt.

Manchmal passt das Lob auch nicht zum eigenen Selbstbild. Wenn Sie glauben, dass Ihnen öffentliche Auftritte nicht liegen, kann die Aussage „Sie wirkten sehr souverän“ Zweifel auslösen. Statt neugierig nachzufragen, weisen Sie das Lob zurück: „Das kam dir nur so vor.“

Eine weitere Möglichkeit ist ein hoher innerer Maßstab. Sie halten das Ergebnis für selbstverständlich, weil Sie „nur Ihre Pflicht erfüllt“ haben. Das heißt aber nicht, dass die dabei eingesetzte Fähigkeit wertlos ist.

Sie müssen nicht nach einer einzigen Erklärung suchen, die auf alle passt. Hilfreicher ist es, auf Ihre erste automatische Reaktion zu achten. Sie zeigt, wie Sie Lob üblicherweise verarbeiten.

Nehmen Sie Lob zunächst einfach an

Wenn Sie Lob gewöhnlich sofort kleinreden, muss der erste Schritt nicht darin bestehen, Ihre inneren Überzeugungen zu ändern. Beginnen Sie damit, Ihre Reaktion nach außen anzupassen. Ein kurzes „Danke“ reicht vollkommen.

Zum Beispiel:

  • „Danke, das weiß ich zu schätzen.“
  • „Danke, ich freue mich, dass es geholfen hat.“
  • „Danke, ich habe mir dabei Mühe gegeben.“
  • „Danke, schön, dass Ihnen das aufgefallen ist.“

Keine dieser Antworten enthält eine übertriebene Selbsteinschätzung. Sie lassen das Lob einfach stehen. Sie müssen es nicht sofort abschwächen, erklären oder aus Höflichkeit mit einem Kompliment erwidern.

Praktischer Tipp: Wenn Sie nicht wissen, was Sie sagen sollen, bleiben Sie bei einem Satz. Je mehr Sie das Lob erklären, desto eher werten Sie es wieder ab.

Fragen Sie nach konkreten Beispielen, wenn das Lob vage bleibt

Manchmal ist es sinnvoll, einem allgemeinen Lob mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen. Die Aussage „Das war fantastisch“ ist nett, sagt aber nicht, was genau gut war. Wenn Sie das positive Feedback nutzen möchten, können Sie nach Einzelheiten fragen.

Zum Beispiel:

  • „Was daran fanden Sie besonders hilfreich?“
  • „Welcher Teil hat Ihrer Meinung nach am besten funktioniert?“
  • „Was habe ich diesmal anders gemacht als sonst?“
  • „Was sollte ich beim nächsten Mal unbedingt beibehalten?“

Solche Fragen sind besonders bei der Arbeit, beim Lernen oder beim Aufbau einer neuen Fähigkeit hilfreich. Aus einer vagen Anerkennung wird eine konkretere Information, die Sie wieder nutzen können.

Sagt eine Kollegin zum Beispiel, Sie hätten ein schwieriges Gespräch gut gemeistert, können Sie herausfinden, dass ihr Ihr ruhiger Ton und die sachliche Zusammenfassung des Problems ohne Schuldzuweisungen aufgefallen sind. Das ist deutlich hilfreicher als die allgemeine Aussage: „Ich bin gut in Kommunikation.“

Verwechseln Sie Bescheidenheit nicht mit Selbstabwertung

Bescheidenheit bedeutet nicht, die eigenen Fähigkeiten oder die eigene Anstrengung zu leugnen. Sie können Ihren Beitrag anerkennen und zugleich die Unterstützung anderer, günstige Umstände oder die Zusammenarbeit im Team erwähnen.

Statt zu sagen: „Ich hatte damit nichts zu tun, das Team hat alles gemacht“, können Sie genauer formulieren: „Danke. Das Team hat viel geleistet, und mir hat geholfen, dass wir die Aufgaben gut verteilt hatten.“ So übertreiben Sie Ihren Anteil nicht, machen ihn aber auch nicht unsichtbar.

Realistisches Selbstvertrauen kann zwei Dinge gleichzeitig anerkennen: Ihnen ist etwas gelungen, und Sie mussten es nicht allein schaffen.

Unterscheiden Sie zwischen Lob, Schmeichelei und einem allgemeinen Eindruck

Nicht jede positive Bewertung hat denselben Informationswert. Wenn jemand sagt, Sie seien „großartig“, kann das Zuneigung oder Höflichkeit ausdrücken. Nennt die Person dagegen ein konkretes Verhalten und dessen Wirkung, haben Sie eine belastbarere Grundlage.

Bei der Einordnung eines Lobes können Sie auf drei Punkte achten:

  1. Ist es konkret? Wird benannt, was genau gut war?
  2. Kann die Person das beurteilen? Eine Kundin kann beschreiben, was ihr geholfen hat; eine Kollegin kann Ihre Zusammenarbeit beobachten.
  3. Wiederholt sich ähnliches Feedback? Eine einzelne Rückmeldung ist eine Information. Ein wiederkehrendes Muster kann noch aufschlussreicher sein.

So können Sie positives Feedback ernst nehmen, ohne ihm mehr Bedeutung zuzuschreiben, als es tatsächlich hat.

Entscheidungsregel: Je konkreter ein Lob ist, je stärker es sich auf beobachtbares Verhalten bezieht und je häufiger es in unterschiedlichen Situationen wiederkehrt, desto hilfreicher kann es für ein realistisches Bild Ihrer Fähigkeiten sein.

Sammeln Sie Belege statt Komplimente

Wenn Sie Lob für eine realistischere Selbsteinschätzung nutzen möchten, müssen Sie keine Liste aller netten Dinge führen, die andere über Sie gesagt haben. Hilfreicher ist eine kurze Notiz dazu, was tatsächlich funktioniert hat.

Nach einer wichtigen Situation können Sie zum Beispiel festhalten:

  • Situation: Was haben Sie getan?
  • Ergebnis: Was ist gelungen oder besser geworden?
  • Feedback: Was hat eine andere Person wahrgenommen?
  • Ihr Anteil: Was haben Sie konkret beigetragen?
  • Übertragbare Fähigkeit: Was können Sie beim nächsten Mal wieder einsetzen?

Ein Beispiel: Nach einer Präsentation hören Sie, sie sei übersichtlich und gut verständlich gewesen. Statt sich nur zu notieren „Die Leute mochten die Präsentation“, halten Sie fest, dass Sie den Inhalt in drei klar abgegrenzte Teile gegliedert, kurze Übergänge verwendet und am Ende die zentrale Aussage zusammengefasst haben. Diese konkreten Vorgehensweisen können Sie wiederholen.

So stützt sich Ihr Selbstvertrauen nicht nur auf ein Gefühl oder die Anerkennung anderer. Es beruht auf der Verbindung von Erfahrung, Ergebnis und beobachtbarem Verhalten.

Achten Sie auf das Gegenextrem, die Abhängigkeit von Lob

Lob anzunehmen ist hilfreich. Das Ziel ist jedoch nicht, es bei jedem Schritt einzufordern. Wenn Sie vor jeder Entscheidung Bestätigung von außen brauchen, kann positives Feedback aufhören, eine Information zu sein, und zur Voraussetzung für Sicherheit werden.

Stellen Sie sich nach einem Lob deshalb auch eine eigene Frage: „Wie bewerte ich meine Leistung – und anhand welcher Kriterien?“ Wenn Sie sich vorher ein klares Ziel gesetzt haben, können Sie Ihr Ergebnis daran messen, unabhängig davon, ob Sie dafür gelobt wurden.

Bei einer Präsentation könnten Sie sich zum Beispiel vorgenommen haben, verständlich zu sprechen, die Zeit einzuhalten und Fragen offen zu beantworten. Das Lob des Publikums ist angenehm und bietet eine zusätzliche Perspektive. Gleichzeitig haben Sie eigene Kriterien, an denen Sie Ihre Leistung beurteilen können.

Was tun, wenn Sie dem Lob nicht glauben?

Sie müssen sich nicht zwingen, sofort genauso über sich zu denken wie die Person, die Sie lobt. Wenn Ihnen das Lob übertrieben vorkommt, können Sie es annehmen, ohne innerlich jeder Aussage darin zuzustimmen.

Im Alltag reicht etwa: „Danke, ich weiß es zu schätzen, dass Sie das sagen.“ Später können Sie das Feedback noch einmal in Ruhe betrachten. Fragen Sie sich, ob es konkrete Belege dafür gibt und ob andere Menschen etwas Ähnliches schon früher angesprochen haben.

Stellen Sie fest, dass das Lob auf tatsächlichem Verhalten beruht, können Sie es als einen Beleg einordnen. Ist es sehr allgemein oder passt es nicht zu dem, was passiert ist, müssen Sie es nicht als Wahrheit über sich übernehmen. Die Reaktion eines anderen Menschen anzunehmen und seiner Bewertung zuzustimmen, sind zwei verschiedene Dinge.

Nutzen Sie positives Feedback für Ihren nächsten Schritt

Den größten praktischen Nutzen hat Lob, wenn Sie etwas daraus mitnehmen können. Hören Sie wiederholt, dass Sie komplexe Themen gut erklären, könnte das ein Anlass sein, eine Präsentation, ein Mentoring oder das Erstellen von Anleitungen zu übernehmen. Wenn andere Ihre Ruhe in Konflikten schätzen, ist das vielleicht eine Fähigkeit, die Sie gezielt weiterentwickeln können.

Sie müssen aus jedem Lob eine berufliche Entscheidung ableiten. Es genügt, wiederkehrende Hinweise wahrzunehmen und sie mit Ihren eigenen Erfahrungen abzugleichen.

Bei Ihrem nächsten Lob können Sie einfach so vorgehen:

  1. Unterbrechen Sie die automatische Relativierung.
  2. Bedanken Sie sich, ohne sich zu erklären.
  3. Fragen Sie bei Bedarf nach konkreten Beispielen.
  4. Benennen Sie Ihren tatsächlichen Anteil.
  5. Überlegen Sie, ob das Feedback auf eine Fähigkeit hinweist, die Sie weiter einsetzen möchten.

So kann Lob ein realistischeres Selbstvertrauen unterstützen, ohne zum Maßstab Ihres persönlichen Werts zu werden. Es geht nicht darum, jedem positiven Satz zu glauben, sondern hilfreiche Informationen nicht allein deshalb zurückzuweisen, weil sie etwas Gutes über Sie aussagen.

Wie sieht es bei Ihnen tatsächlich aus? Wählen Sie die Antworten, die Sie am besten beschreiben:

Stell dir vor, du stehst vor einer Herausforderung, die du noch nie zuvor bewältigt hast. Welcher Gedanke kommt dir als erstes?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Natürlich fällt es dir leichter, wenn…

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Wenn dich jemand in deinen Fähigkeiten in Frage stellt, wie reagierst du?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Stell dir vor, du lernst etwas Neues und es will einfach nicht klappen. Was wirst du tun?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Wenn du deine innere Stärke in einem Satz beschreiben müsstest, würde es lauten…

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Wenn du zwischen Sicherheit und Risiko entscheidest, wie handelst du?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Was sagst du dir im Spiegel vor einem wichtigen Event?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Wie reagierst du, wenn dich jemand unerwartet lobt?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Welche Situation bringt dich am meisten aus dem Gleichgewicht?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Was stärkt deiner Meinung nach am meisten das Selbstbewusstsein?

Wählen Sie die Antwort, die Sie am besten beschreibt.

Wie man Selbstbewusstsein aufbaut und auch in schwierigen Situationen an sich glaubt.

Erhalten Sie eine Auswertung Ihrer Antworten

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein, damit wir ein Konto erstellen und den Test zuordnen können. Nach dem Absenden aller 10 Antworten zeigen wir Ihnen die Auswertung auf der Seite und senden Ihnen einen Link per E-Mail.

Das könnte Sie interessieren