Professionell mit einem Kollegen zusammenarbeiten, der Ihnen nicht liegt

Professionell mit einem Kollegen zusammenarbeiten, der Ihnen nicht liegt

Sie müssen nicht mit jedem Kollegen auf einer Wellenlänge sein. Vielleicht stören Sie sein Kommunikationsstil, sein Arbeitstempo, sein Bedürfnis, sich durchzusetzen, oder seine Passivität. Trotzdem müssen Sie gemeinsam Projekte vorbereiten, Informationen austauschen und Entscheidungen treffen. Das Ziel ist dann nicht, um jeden Preis eine Freundschaft aufzubauen, sondern die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass persönliche Antipathien weder die Ergebnisse noch das Arbeitsklima beeinträchtigen.

Hilfreich ist, zwei Fragen voneinander zu trennen: „Mag ich diesen Menschen?“ und „Können wir professionell zusammenarbeiten?“ Die erste Frage dürfen Sie weiterhin mit Nein beantworten. Die zweite lässt sich jedoch oft durch konkrete Absprachen, klare Kommunikation und realistische Grenzen positiv beeinflussen.

Unterscheiden Sie zuerst zwischen Antipathie und einem konkreten Problem

Hinter der Aussage „Der Kollege liegt mir nicht“ können ganz unterschiedliche Situationen stecken. Manchmal geht es lediglich um einen anderen Stil. In anderen Fällen erschwert ein bestimmtes Verhalten tatsächlich die Arbeit.

Versuchen Sie genau zu benennen, was Sie stört:

  • Kommunikationsstil: Der Kollege ist zu knapp, laut, ironisch oder ausschweifend.
  • Arbeitstempo: Er arbeitet deutlich schneller oder langsamer als Sie.
  • Aufteilung der Verantwortung: Aufgaben werden weitergereicht, Fristen nicht eingehalten oder Zuständigkeiten bleiben unklar.
  • Unterschiedliche Wertvorstellungen: Sie beurteilen Fairness, Qualität oder Verantwortung verschieden.
  • Persönliche Antipathie: Der Mensch ist Ihnen schlicht nicht sympathisch, obwohl er seine Arbeit korrekt erledigt.

Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nicht jedes unangenehme Gefühl erfordert eine Lösung am Arbeitsplatz. Arbeitet der Kollege zuverlässig und geht es nur um die persönliche Chemie, kann ein professioneller Abstand genügen.

Der entscheidende Unterschied: Antipathie ist ein Gefühl. Ein Arbeitsproblem beruht auf einem konkreten Verhalten oder einer konkreten Folge, die sich benennen und angehen lässt.

Sie müssen sich nicht nahestehen, um beruflich Vertrauen zu haben

Berufliches Vertrauen setzt keine persönliche Nähe voraus. Es kann auf ganz praktischen Dingen beruhen: eingehaltenen Fristen, verlässlichen Informationen, klaren Übergaben und berechenbarem Verhalten.

Wenn Ihnen ein Kollege unsympathisch ist, hilft es, den Blick auf genau diese konkreten Anhaltspunkte zu richten. Fragen Sie sich statt „Kann ich ihm als Mensch vertrauen?“ lieber:

  • Hält er, was er zusagt?
  • Informiert er mich rechtzeitig, wenn ein Problem auftritt?
  • Hält er sich an vereinbarte Zuständigkeiten?
  • Lässt sich eine Meinungsverschiedenheit sachlich mit ihm klären?

So sinkt das Risiko, dass Sie Ihren persönlichen Eindruck automatisch auf die Bewertung seiner gesamten Arbeit übertragen.

Vereinbaren Sie die Zusammenarbeit, bevor Probleme entstehen

Bei Menschen, die sich gut verstehen, funktioniert vieles intuitiv. Wenn die Beziehung angespannt ist, sollten Sie sich weniger auf Vermutungen verlassen und die Spielregeln lieber ausdrücklich festlegen.

Bereich Was zu klären ist Beispiel für eine Vereinbarung
Aufgaben Wer wofür verantwortlich ist Jede Person übernimmt einen klar abgegrenzten Teil des Projekts
Fristen Wann etwas fertig sein muss Ein Zwischenergebnis wird zwei Tage vor der endgültigen Frist geprüft
Kommunikation Was schriftlich und was persönlich besprochen wird Organisatorisches wird schriftlich geklärt, strittige Themen im Gespräch
Änderungen Wie Abweichungen mitgeteilt werden Bei drohender Verzögerung wird sofort Bescheid gegeben, nicht erst am Vortag

Je weniger Raum für unklare Erwartungen bleibt, desto seltener müssen Sie Situationen durch die Brille persönlicher Antipathie deuten.

Sprechen Sie über Verhalten, nicht über den Charakter

Wenn Sie etwas an der Zusammenarbeit stört, sprechen Sie das konkrete Verhalten und seine beruflichen Folgen an. „Du bist unzuverlässig“ bewertet den Menschen. „Ich brauche früher eine Information, wenn sich etwas verzögert, weil meine Arbeit von deinem Teil abhängt“ benennt das Problem.

Eine hilfreiche Formulierung besteht aus drei Teilen:

  1. Was ist passiert? Ohne Wertung und Übertreibung.
  2. Welche Folgen hatte es? Für die Aufgabe, den Termin oder das Team.
  3. Was brauchen Sie künftig? Eine konkrete Veränderung des Verhaltens.

Zum Beispiel: „Die Unterlagen kamen am Tag der Präsentation, deshalb konnte ich sie nicht mehr prüfen. Beim nächsten Mal brauche ich sie spätestens am Vortag. Falls das nicht möglich ist, sag mir bitte früher Bescheid.“

Praktischer Tipp: Je angespannter die Beziehung ist, desto wichtiger ist es, über beobachtbares Verhalten zu sprechen und weniger darüber, was für ein Mensch der Kollege Ihrer Meinung nach ist.

Verwechseln Sie professionellen Abstand nicht mit Ignorieren

Die Kontakte auf das notwendige Maß zu beschränken, kann in manchen Situationen sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn daraus das Vorenthalten wichtiger Informationen, das Umgehen des Kollegen oder demonstrative Kälte wird.

Professioneller Abstand bedeutet:

  • Sie kommunizieren höflich und sachlich.
  • Sie geben die Informationen weiter, die der andere für seine Arbeit braucht.
  • Sie suchen keinen unnötigen persönlichen Kontakt, wenn Ihnen dieser nicht angenehm ist.
  • Sie machen andere Kollegen nicht zu Vermittlern, wenn Sie direkt miteinander sprechen können.

So schützen Sie Ihre Grenzen, ohne aus persönlicher Antipathie ein Problem für das ganze Team zu machen.

Prüfen Sie, ob ein einzelner starker Eindruck Ihr Urteil prägt

Wenn uns jemand unsympathisch ist, fallen uns Verhaltensweisen, die unsere Meinung bestätigen, leichter auf. Eine unangenehme Erfahrung kann dann beeinflussen, wie wir weitere Situationen deuten.

Sie müssen sich nicht einreden, dass der Kollege eigentlich ein großartiger Mensch ist. Stellen Sie sich gelegentlich einfach zwei Prüffragen:

  • Was weiß ich? Welche konkreten Ereignisse stützen meine Einschätzung?
  • Was vermute ich? Welche Motive oder Absichten unterstelle ich ihm, ohne sicher zu sein?

Eine knappe E-Mail-Antwort kann zum Beispiel Desinteresse bedeuten, aber auch hohe Arbeitsbelastung oder schlicht einen knappen Kommunikationsstil. Wenn das Ergebnis wichtig ist, fragen Sie lieber nach, statt automatisch die ungünstigste Erklärung anzunehmen.

Suchen Sie keine vollständige Einigkeit, wenn eine tragfähige Vereinbarung genügt

Manche Konflikte am Arbeitsplatz ziehen sich unnötig in die Länge, weil eine Seite nicht nur eine Einigung erreichen möchte, sondern auch erwartet, dass die andere ihre Sicht als die richtige anerkennt.

Bei der Zusammenarbeit mit jemandem, der Ihnen nicht liegt, ist es oft praktischer, nach dem notwendigen Mindestmaß an Übereinstimmung zu suchen. Sie müssen nicht dieselbe Arbeitsweise bevorzugen, solange Sie sich über Ergebnis, Termin und Verantwortung verständigen können.

Wenn beispielsweise einer von Ihnen detailliert plant und der andere lieber improvisiert, müssen Sie nicht entscheiden, welcher Stil besser ist. Vereinbaren Sie stattdessen Kontrollpunkte: So bekommt die eine Person genug Sicherheit und die andere genug Spielraum.

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Projekt

Stellen Sie sich vor, Sie bereiten gemeinsam mit einem Kollegen eine Präsentation für einen Kunden vor. Sie stört, dass er alles auf den letzten Drücker erledigt. Ihn stört wiederum, dass Sie seiner Ansicht nach zu detailliert planen.

Statt darüber zu diskutieren, wer richtig arbeitet, können Sie die Zusammenarbeit so regeln:

  1. Gemeinsames Ziel: Die Präsentation ist zwei Tage vor dem Termin fertig.
  2. Aufteilung der Arbeit: Jede Person ist für einen klar definierten Teil verantwortlich.
  3. Kontrollpunkt: Vier Tage vor dem Termin zeigen Sie sich gegenseitig einen Zwischenstand.
  4. Spielraum bei der Arbeitsweise: Zwischen den Kontrollpunkten organisiert jede Person ihre Arbeit selbst.
  5. Regel für Probleme: Ein drohender Verzug wird sofort gemeldet.

Eine solche Vereinbarung muss Ihre persönliche Beziehung nicht verändern. Sie kann aber die Zahl der Situationen deutlich verringern, in denen unterschiedliche Arbeitsweisen zum Konflikt führen.

Ziehen Sie andere Kollegen nicht in Ihre persönliche Antipathie hinein

Wenn uns jemand stört, suchen wir oft bei anderen Bestätigung. Eine kurze Beschwerde mag harmlos wirken, kann aber leicht dazu führen, dass sich Gruppen bilden und die Spannung auf das ganze Team übergreift.

Wenn Sie ein Problem mit einer dritten Person besprechen müssen, konzentrieren Sie sich auf den beruflichen Kern: „Ich muss klären, wie wir die Unterlagen übergeben, weil sich der Termin wiederholt verschiebt.“ Das ist etwas anderes, als Zustimmung dazu zu sammeln, dass der Kollege unerträglich sei.

Anders liegt der Fall bei schwerwiegendem oder wiederholt unangemessenem Verhalten, das mit einer Führungskraft oder einer zuständigen Person geklärt werden muss. Auch dann sollten Sie konkrete Vorfälle und ihre Folgen schildern, statt persönliche Bewertungen aufzuzählen.

Wann es sinnvoll ist, den Kollegen besser kennenzulernen

Nicht jede Antipathie erfordert mehr persönlichen Kontakt. Ein kurzes informelles Gespräch oder die Zusammenarbeit an einer kleineren Aufgabe kann jedoch helfen, besonders wenn Ihre Einschätzung auf wenigen Begegnungen beruht.

Das kann vor allem sinnvoll sein, wenn:

  • Sie langfristig zusammenarbeiten werden,
  • gegenseitiges Misstrauen alltägliche Entscheidungen erschwert,
  • Sie den Eindruck haben, sich bisher nur in Konfliktsituationen erlebt zu haben,
  • der Unterschied eher im Arbeitsstil als in unfairen Verhaltensweisen liegen könnte.

Das Ziel ist nicht, sich zu einer Freundschaft zu zwingen. Es reicht, besser zu verstehen, wie der andere denkt und was er von der Zusammenarbeit braucht.

Wann bessere Kommunikation nicht mehr ausreicht

Nicht jedes Problem lässt sich lösen, indem Sie geduldiger oder genauer kommunizieren. Wenn es wiederholt zu Demütigungen, zur Aneignung fremder Arbeit, zu gebrochenen Vereinbarungen, zum bewussten Zurückhalten von Informationen oder zu anderem Verhalten mit schwerwiegenden beruflichen Folgen kommt, geht es nicht mehr nur um persönliche Unverträglichkeit.

Halten Sie in diesem Fall konkrete Situationen, ihre Auswirkungen und bisherige Versuche fest, das Problem zu lösen. Je nach Schwere kann es nötig sein, eine Führungskraft oder ein anderes internes Verfahren einzubeziehen.

Wichtige Einschränkung: Die Empfehlung, sich auf Professionalität zu konzentrieren, bedeutet nicht, wiederholtes unfaires oder unangemessenes Verhalten zu tolerieren, das Ihnen oder dem Team tatsächlich schadet.

Ein kurzer Leitfaden für die nächste schwierige Zusammenarbeit

Wenn Sie das nächste Mal mit jemandem arbeiten, der Ihnen persönlich nicht liegt, probieren Sie dieses Vorgehen:

  1. Benennen Sie das konkrete Problem und trennen Sie es von der allgemeinen Antipathie.
  2. Klären Sie das gemeinsame Ziel, damit deutlich ist, was Sie zusammen erreichen müssen.
  3. Legen Sie Regeln fest für Aufgaben, Fristen und Kommunikation.
  4. Sprechen Sie über Verhalten und Folgen, nicht über den Charakter des Menschen.
  5. Prüfen Sie Ihre Deutungen, wenn Sie sich über die Absichten der anderen Person nicht sicher sind.
  6. Halten Sie angemessenen Abstand, wenn persönliche Nähe nicht nötig ist.
  7. Gehen Sie bei schwerwiegenden, wiederkehrenden Problemen formeller vor, wenn eine gewöhnliche Vereinbarung nicht ausreicht.

Gute Arbeitsbeziehungen bedeuten nicht, dass Sie sich mit allen persönlich verstehen müssen. In vielen Teams ist ein realistischeres Ziel eine verlässliche, faire und funktionierende Zusammenarbeit – auch zwischen Menschen, die sich außerhalb der Arbeit vermutlich nicht nahestehen würden.

Wie sieht es bei Ihnen tatsächlich aus? Wählen Sie die Antworten, die Sie am besten beschreiben:

Ihr Kollege, mit dem Sie seit langem zusammenarbeiten, kündigt unerwartet an, dass er die Firma verlässt. Wie fühlen Sie sich?

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In einem Arbeitsteam entsteht ein Streit zwischen zwei Kollegen, der beginnt, die Atmosphäre zu stören. Wie reagieren Sie?

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Ein neues Teammitglied versucht, sich einzugliedern, fühlt sich jedoch unsicher. Wie gehen Sie mit ihm um?

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Der Kollege gesteht Ihnen, dass er eine schwierige Phase durchlebt und Probleme mit seiner Arbeitsleistung hat. Wie reagieren Sie?

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Wie baut ihr Vertrauen mit euren Kollegen auf?

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Welcher Typ von Menschen ärgert Sie bei der Arbeit am meisten?

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Haben Sie Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit jemandem, der Ihnen persönlich unsympathisch war? Wie haben Sie die Situation gelöst?

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Bei der Aufgabenverteilung im Team erhalten Sie eine Aufgabe, die nicht ganz mit Ihren Fähigkeiten übereinstimmt. Wie reagieren Sie?

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Was betrachten Sie als den Schlüssel zum erfolgreichen Teamwork?

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Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Vorgesetzter Ihre Arbeitsleistung vor anderen kritisiert?

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41 – 60 Jahre: Aufbau und Pflege von Arbeitsbeziehungen

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