Selbstständigkeit in einem sicheren Rahmen
Wahlmöglichkeiten brauchen einen passenden Rahmen
Ein Kind lernt, Entscheidungen zu treffen, wenn es echte, altersgerechte Möglichkeiten bekommt. Das heißt nicht, dass es alles entscheiden darf. Für Sicherheit und Grenzen, die das Kind noch nicht selbst versteht, sind weiterhin die Erwachsenen verantwortlich.
Stellen Sie sich die Abendroutine vor. Statt zu fragen „Gehst du jetzt schon ins Bett?“, obwohl das Zubettgehen nicht zur Wahl steht, sagen Sie: „Es ist Zeit, sich fürs Schlafengehen fertig zu machen. Möchtest du zuerst Zähne putzen oder deinen Schlafanzug anziehen?“ Ihr Kind hat eine echte Wahl innerhalb einer klaren Regel.
Wenn Wahlmöglichkeiten nur vorgetäuscht sind, leidet das Vertrauen. Sagen Sie „Such es dir aus“ und lehnen anschließend jede Antwort ab, lernt Ihr Kind eher, Ihre Wünsche zu erraten, als selbst Entscheidungen zu treffen. Bieten Sie deshalb nur Möglichkeiten an, mit denen Sie einverstanden sind.
Unterscheiden Sie drei Bereiche: Über Sicherheitsregeln entscheiden die Erwachsenen. Bei gemeinsamen Familienangelegenheiten kann man verhandeln. Kleine persönliche Vorlieben kann das Kind selbst entscheiden. Passen Sie den Spielraum nach und nach an Alter, Erfahrung und Situation an.
Bei älteren Kindern kann der Entscheidungsspielraum schrittweise wachsen. Erklären Sie dabei immer, wo wichtige Grenzen bestehen bleiben und warum.
Für den Alltag: Suchen Sie einen wiederkehrenden Streitpunkt, bei dem die Grenze feststeht. Überlegen Sie sich zwei passende Möglichkeiten, die Sie Ihrem Kind anbieten können. Achten Sie nach dem Gespräch darauf, ob es besser mitgemacht hat oder einen einfacheren Rahmen braucht.