Empathie in den Alltag übertragen
Das Nachfragen sollte auch Ihre nächste Reaktion verändern
Ein Kollege weigert sich, einen Teil des Kundentermins zu übernehmen. Sie vermuten, dass er Angst hat, vor Menschen zu sprechen. Auf Nachfrage erklärt er jedoch, dass die technischen Angaben noch nicht bestätigt sind. Wenn Sie trotzdem mit ihm an seinem Selbstvertrauen arbeiten, haben Sie die neue Information nicht genutzt. Empathisch vorzugehen bedeutet, die ursprüngliche Annahme und die angebotene Hilfe anzupassen.
Nutzen Sie eine einfache praktische Orientierung: beobachten, fragen, die Bedeutung klären, einen Schritt vereinbaren und später prüfen, ob die Hilfe nützlich war. In diesem Beispiel können Sie sagen: „Ich verstehe also, dass du die Angaben bestätigen lassen musst und keinen Vortrag üben möchtest. Kann ich heute dabei helfen herauszufinden, wer sie prüfen kann?“ Ihr Kollege kann den Vorschlag annehmen, ändern oder ablehnen.
Wählen Sie für die kommende Woche eine Alltagssituation aus, in der Sie normalerweise schnell Ratschläge geben oder Gefühle einschätzen. Bevor Sie einen Rat geben, stellen Sie eine Frage dazu, was die Person braucht. Sie müssen nicht jedes Gespräch nach einem festen Schema führen. Achten Sie besonders auf den Moment, in dem eine neue Antwort nicht zu Ihrer ersten Vorstellung passt.
Fragen Sie nach der vereinbarten Hilfe nach, ob sie dem Bedürfnis entsprochen hat. Bewerten Sie den Erfolg nicht nur danach, ob sich die Person bedankt oder Sie sich gut fühlen. Entscheidend ist auch, ob die Person widersprechen durfte, ihre Privatsphäre gewahrt blieb und sie die vereinbarte Unterstützung bekam. Wenn Sie sich geirrt haben, korrigieren Sie Ihre Einschätzung, ohne sich zu rechtfertigen. Empathie bedeutet in diesem Kurs, dass Sie bereit sind, nachzufragen, angemessen zu reagieren und Grenzen zu respektieren. Sie verspricht nicht, jeden Konflikt zu lösen.