Empathie, wenn Entscheidungen andere betreffen

Die angehörte Geschichte ist nur ein Teil der gemeinsamen Situation

Sie leiten ein kleines Team. Ein Kollege erklärt Ihnen ausführlich, warum er eine Schicht tauschen muss. Eine Kollegin spricht nur wenig über ihr Privatleben. Es wäre vorschnell anzunehmen, dass sie keine wichtigen Verpflichtungen hat und den Tausch problemlos übernehmen kann. Bei der Entscheidung müssen Sie wissen, wann alle Betroffenen verfügbar sind, statt zu beurteilen, wessen persönliche Geschichte überzeugender klingt.

Erkennen Sie zunächst das Bedürfnis des Kollegen an, ohne das Ergebnis zu versprechen: „Ich verstehe, dass du tauschen musst. Ich prüfe, welche Möglichkeiten es für die Schicht gibt, und dann sprechen wir uns ab.“ Ermitteln Sie anschließend die praktischen Einschränkungen, ohne vertrauliche Einzelheiten zu erfragen. Die Kollegin kann sagen, dass sie an dem Tag nicht kann, ohne ihre gesamte familiäre Situation zu erklären.

Wenden Sie nachvollziehbare Kriterien an und behalten Sie die Verteilung der Belastung im Blick. Prüfen Sie, wer die Schicht übernehmen kann, welche Auswirkungen das auf die jeweilige Arbeit hat und ob Ausnahmen dauerhaft bei einer Person landen. Fairness muss nicht bedeuten, jede Situation genau gleich zu behandeln. Unterschiede sollten auf relevanten Umständen beruhen und nicht allein darauf, wem Sie näherstehen.

Wenn Sie als Vorgesetzte oder Vorgesetzter entscheiden, kann eine persönliche Frage wie eine Aufforderung wirken. Erklären Sie, welche Informationen Sie für die Entscheidung brauchen und welche nicht. Erläutern Sie dem Team die Vereinbarung zur Arbeit, ohne private Gründe offenzulegen. Ein empathisches Gespräch kann auch damit enden, dass Sie die Bitte ablehnen, wenn die Möglichkeiten nicht ausreichen. Wichtig sind Ehrlichkeit, ein angemessenes Vorgehen und Respekt gegenüber allen Beteiligten.

Ein Kollege bittet um einen Schichttausch und schildert ein persönliches Problem. Über die Möglichkeiten der anderen Kollegin wissen Sie nichts. Wie gehen Sie vor?

Empathie in der Praxis: verstehen, helfen und Grenzen wahren

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