Wenn Sie die Situation eines anderen stark mitnimmt
Sie müssen nicht Ihrem ersten Impuls folgen
Ihre Schwester erzählt von einem Streit mit dem Nachbarn. Sie werden wütend und möchten ihn sofort anrufen. Ihre starke Reaktion sagt aber noch nicht, was Ihre Schwester braucht oder was genau passiert ist. Halten Sie zunächst inne und fragen Sie: „Möchtest du, dass ich dir zuhöre, oder brauchst du Hilfe dabei, den nächsten Schritt zu überlegen?“ Übernehmen Sie den Konflikt nicht ohne Absprache.
Unterscheiden Sie zwischen der Erfahrung Ihrer Schwester und Ihrem eigenen Impuls. Sie können sagen: „Wenn ich das höre, macht mich das wütend. Ich möchte jetzt nicht für dich entscheiden.“ So benennen Sie Ihre Reaktion, ohne zu behaupten, alle Umstände zu kennen. Wenn Sie sich nicht aufs Zuhören konzentrieren können, vereinbaren Sie eine kurze Pause und einen konkreten Zeitpunkt, um das Gespräch fortzusetzen. Die Pause soll keine Strafe für ein unangenehmes Thema sein.
Die Hilfe muss auch zu Ihren tatsächlichen Möglichkeiten passen. Wenn solche Gespräche jeden Abend stattfinden und Ihre eigenen Verpflichtungen beeinträchtigen, vereinbaren Sie, wie viel Zeit Sie haben. „Heute kann ich mir bis acht Uhr Zeit nehmen. Danach muss ich aufhören.“ Ständige Verfügbarkeit zu versprechen, ist keine Voraussetzung dafür, Interesse zu zeigen. Wenn mehr Unterstützung nötig ist, können Sie gemeinsam überlegen, welche anderen Personen oder Angebote infrage kommen.
Verständnis verpflichtet Sie nicht dazu, Beleidigungen oder Drohungen hinzunehmen. In einer solchen Situation können Sie das Gespräch beenden und sich Unterstützung holen. Allgemeine Kommunikationsmethoden versprechen nicht, bedrohliches Verhalten zu lösen. Im Alltag geht es darum, überlegt und in Absprache zu reagieren – nicht darum, Empathie zu beweisen, indem Sie sich völlig verausgaben.